Filmhardware

iChatHardware für den engagierten Hobby-Filmer: Geräte wie Camcorder, Stative, Mikrofone, PC´s usw. auch alles über Filmformate wie miniDV, HD, DVD und BlueRay. Ich will hier keine technischen Tests schreiben, sondern einfach aus der Praxis von den Geräten berichten, die ich auch wirklich einsetze.

Rig, Schiene, Steadycam oder doch Gimbal?

Es gibt auf dem Markt viele technische Hilfsmittel, mit den man Kamerabewegungen gleichmäßiger und ruhiger gestalten kann. Eine Handkamera hat ja immer der Nachteil, wenn man geht, dass sie unruhig, nicht ausgeglichen wirkt und man die Schritte „sieht“. Dabei ist es egal, ob man sich nach vorne, nach hinten oder seitlich bewegt. Bei ebenem Untergrund, also z.B. asphaltiertem Weg oder zu Hause auf Laminatboden kann man noch andere Hilfsmittel einsetzen, beim Gehen oder Laufen mit der Kamera auf einem unruhigen Hintergrund gibt es jedoch im Moment diese vier in der Überschrift beschriebenen Möglichkeiten.

Ein Rig beruhigt eine Aufnahme etwas, man bleibt trotzdem beweglich. Ein Anfang tut es ein einfacher günstiger Rig, da man erst selber feststellen muss, ob das einem wirklich behagt und ob es einem was bringt. Ich habe auch eins, aber ich komme damit wenig zurecht, verwende es entsprechend selten. Ein Rig ist sehr hilfreich, wenn man zusätzliche Geräte an die Kamera anschließen will und trotzdem beweglich bleiben will. Dazu gehört ein externer Monitor oder Aufnahmegerät, ein externes Mikrofon, eine Follow-Focus Einrichtung usw.

Eine Schiene ist dann gut, wenn man Landschaftaufnahmen oder sonst etwas unbewegtes kreativer darstellen will. Schließlich ist ja Film Bewegung und nichts ist langweiliger als statische Aufnahmen von statischen Dingen. Wenn man in der Aufnahme geschickt Vorder- und Hintergrund kombiniert, ergeben sich oft interessante Perspektiven. Je länger natürlich die Schiene, desto teuer und komplexer der Aufbau. Ich würde persönlich bei 80 cm anfangen, das genügt erst einmal zum Lernen und passt auf ein Stativ. Ein Motor ist am Anfang ebenfalls nicht notwendig, wird es bei sehr langsamer Bewegung (Timelapse) natürlich interessant.

Eine Steadycam bringt nur dann was, wenn man die Kamera richtig ausbalanciert hat und wenn anschließend die führende Hand so kräftig ist, dass man das auch über eine längere Aufnahme aushält. Das ausbalancieren hat mich aber am Anfang auch Stunden gekostet und das wiederholte sich bei jedem Objektivwechsel. Wenn man dann mit der Steadycam geht, ist es am wichtigsten, dass Hände und Füße so gut wie möglich entkoppelt sind. Die Steadycam hilft natürlich hier sehr stark dabei. Ohne Steadycam, Kamera nur in der Hand und gehen, da merkt man dann in der Aufnahme deutlich die Schritte, wodurch eine Auf- und Abwärtsbewegung entsteht. Mit der Steadycam gleitet die Kamera schöner und gleichmäßiger.

Dem Gimbal gehört sicher die Zukunft. Allerdings sind mir 1000 Euro oder mehr im Moment dafür einfach zu viel, dafür brauche ich das zu selten. Unter 1000 bekommt man heute, so glaube ich, noch nichts richtig Gutes, aber das sieht in 5 Jahren sicher anders aus. Ein Gimbal gleicht im Vergleich zu der Steadycam die Bewegung nicht mechanisch, sondern elektronisch durch Motoren aus. Ein Gimbal ist meistens auch leichter als eine Steadycam, schließlich braucht man keine Ausgleichsgewichte.

Günstige Alternativen sind, wenn geeignet für die Aufnahme: Skateboard, Einkaufswagen, Rollator oder auch ein Rollstuhl. Ebenfalls ein Cabrio, aber das habe ich auch nicht. Ein Kumpel hat mal Fahrer gespielt, als wir mal einen Triathlon Film gemacht haben, war damals super für Laufen und Radfahren. Funktioniert aber nur gut auf ebenen gut asphaltierten Straßen. Falls man ein Motorrad (und Fahrer) hat, geht das natürlich auch, allerdings müssen Motorradfahrer und auch Kameramann viel lernen und probieren, bevor das einmal richtig klappt.

Weitere günstige Alternativen sind natürlich Eigenbauten. Wenn ein Kameramann darin begabt ist, kann er sich viel Geld sparen, die meisten Einzelteile für ein Rig, Steadycam oder Schiene sind günstig in Baumärkten zu bekommen.

Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die elektronische Stabilisierung in der Nachbearbeitung. Das können manche Programme schon ganz gut, man muss aber immer beachten, dass man ein Teil des Bildes verliert, weil die Stabilisierung etwas hineinzoomen muss, sonst bekommt man schwarze Ränder.

Camcorder, Systemkamera oder DSLR?

Welche Art von Kamera ist am Besten zum Filmen geeignet? Ein richtiger Camcorder, eine Systemkamera oder eine Spiegelreflex oder SLT-Kamera?

Nach nunmehr 4 Jahren Erfahrung mit allen drei verschiedenen Kameraarten habe ich mir mal diese Frage gestellt. Gleich eins vorneweg: Es gibt keine "beste" Kamera zum Filmen.

Vor 10 Jahren hatte man noch nicht viel Auswahl, da gab es zum Filmen nur Camcorder, die in SD Qualität auf DV-Band aufnahmen und das war es. Mit fortschreitender Technik wurden die Möglichkeiten nun vielfältiger und erschwinglicher. 2011 habe ich mir mit der Sony SLT A65 eine DSLR / SLT Fotokamera gekauft und auch viel damit gefilmt. Parallel dazu benutzte meine Frau eine Kompaktkamera, die Sony HX9. Dann kam eine Sony NEX-3N ins Haus, Anfang dieses Jahres habe ich meine A65 gegen eine A99 getauscht und zwischendurch auch die A5100 und A6000 ausprobiert. Früher habe ich einen Sony HDR-XR520 Camcorder benutzt und im Filmclub haben wir seit einigen Jahren 2 CX550 von Sony. Also genug Möglichkeiten, die verschiedenen Arten gegenüber zu stellen. Neuerdings habe ich auch noch eine gebrauchten Sony PJ-810 Camcorder gekauft.

Zuerst ist es wichtig, sich klarzumachen, was man filmen will, dann kann man sich überlegen, welche Art von Kamera am geeignetsten ist. Die Filmqualität aller von mir benutzten Kamera war in FULL-HD vollkommen ausreichend, es geht also mehr darum, für welche Gelegenheiten welche Kamera mehr oder weniger geeignet ist.

Fangen wir mal an mit der A99. Diese Sony Kamera ist eine Vollformat Kamera mit einem 24x36mm großem Sensor. Dieser große Sensor wird auch für das Filmen verwendet, allerdings werden nicht alle Pixel ausgelesen, es findet ein sogenanntes Pixel-Binning statt. Die Qualität des Filmmaterials ist trotzdem hervorragend und liegt weit über dem, was auch teuere Camcorder abliefern können. Mit den entsprechenden lichtstarken Objektiven ist auch bei wenig Licht immer noch eine sehr gute Qualität vorhanden. Man kann problemlos bis ISO 3200 gehen, ohne das ein Rauschen sichtbar vorhanden wäre. Also eigentlich die beste Möglichkeit, um qualitativ hochwertige Aufnahmen zu machen. Wo ist dann das Problem? Die Schärfentiefe ist es. Durch den Vollformat Chip hat man eine sehr niedrige Schärfentiefe. Jetzt werden sicher alle schreien: Jaaa, das möchte ich doch haben. Das ist richtig, aber in den meisten Fällen ist das in szenischen Filmen gewünscht. Bei Reportagen kann das sehr schnell hinderlich sein, denn da habe ich oft die Zeit nicht, dauernd die Schärfe nachzustellen. Aber auch in Spielfilmen bei Nahaufnahmen ist die Schärfentiefe oft nur wenige Zentimeter und wenn sich der Darsteller auf die Kamera zu oder wegbewegt, dann muss man die Schärfe nachstellen. Einen zweiten Punkt möchte ich auch noch aufführen: Bei handgeführter Kamera ist eine Fotokamera zum Filmen nie so gut geeignet wie ein Camcorder. Deshalb gibt es am Markt inzwischen viele Hilfsgeräte, damit man die Kamera besser halten kann.

Kommen wir mal zum Camcorder. Wo ist der größte Unterschied? Die meisten Camcorder haben einen sehr kleinen Sensor, oft nur 1/5.8". Die PJ810 hat z.B. einen Sensor mit 1/3,95". Die neuen Camcorder haben schon auch einen 1" Sensor. Wenn ich mal alle Formate vergleichen darf, dann ist der Unterschied zwischen meinem Camcorder und meiner Vollformatkamera: Die Sensorfläche vom Vollformat ist 118mal größer. Was bedeutet das in der Praxis? Stellt man bei Blende 5,6 und einem 50mm Objektiv (4,6mm beim Camcorder) eine Person in 1m Entfernung hin, dann ist die Tiefenschärfe bei der Vollformatkamera bei 9 cm, alles im Bereich 96 und 104 cm wird scharf sein. Selbst bei 5m Abstand sind es nur Beim Camcorder entspricht das 4,6mm Brennweite und die Tiefenschärfe wird bei 0 bis unendlich liegen. Möchte ich mit meinem Camcorder eine niedrige Tiefenschärfe haben, dann müsste ich die Person in einem Meter Entfernung mit vollem Tele des Camcorders aufnehmen, dann sehe ich die Person aber nicht, sondern höchstens ein Auge.

Format Breite Höhe Fläche Cropfaktor
VF 36,0 24,00 864,00 1,0
APS-C 22,2 14,80 328,60 1,6
1 Zoll 13,2 8,80 116,20 2,7
1/3,2 Zoll 4,5 3,40 15,30 8,7
1/3,95 Zoll 3,3 2,20 7,30 10,8
1/5,8 Zoll 2,2 1,50 3,30 14,1

Was ist also die Folge: Wenn ich eine Reportage drehen will, wo ich mit niedrigen Blendenwerten arbeiten muss und die Personen dabei nahe stehen, dann werden vieler meiner Aufnahmen mit der A99 unscharf sein. Aber ich habe doch einen Autofokus? Naja, der hilft hier aber nicht viel, weil er dann oft auf die falsche Person oder sogar den Hintergrund scharf stellt und ich habe nicht die Zeit alles manuell scharfzustellen. Folge: ich werde für eine solche Reportage meinen Camcorder nehmen, denn dort ist alles immer scharf.


Möchte ich jedoch einen Film machen, wo ich viel Zeit habe, alle Aufnahmen genau vorbereiten kann und möchte ich "filmisch" arbeiten, also mit der Schärfeebene spielen, dann ist eine Vollformatkamera sehr gut geeignet. Und gleich noch ein Grund für die Vollformat: Wenn ich nur wenig Licht zur Verfügung habe. Der Camcorder muss das Signal deutlich verstärken und fängt damit an zu rauschen. Das versucht wiederum die Software des Camcorders auszugleichen und alles wird "glattgebügelt", die Aufnahmen schauen nicht mehr gut aus auch die Farben werden schnell flau. Beim Vollformat habe ich viel mehr Spielraum mit lichtstarken Objektiven und hohen ISO Zahlen zu spielen.

Möchte ich Aufnahmen machen, wo ich auch mal "zoome", obwohl das bei Filmern verpönt ist, dann ist eine Foto-Kamera mit Wechseloptik denkbar ungeeignet. Zoomobjektive haben keinen Motorzoom, ich muss per Hand zoomen und das wird nie "weich" sein, schaut also nicht gut aus. Da ist also ein Camcorder viel besser geeignet oder natürlich auch System/Kompaktkameras, die einen Motorzoom haben.

Möchte ich Aufnahmen machen, wo ich den Fokus verstelle, also die Schärfeebene verlagere, dann ist das genauso. Auch hier haben Kameras mit Wechseloptiken so etwas nicht vorgesehen. Natürlich haben auf diesen Umstand schon verschiedene Hersteller reagiert und sog. "Follow-Focus" Vorrichtungen auf den Markt gebracht. Es gibt inzwischen sogar extra Objektive dafür, die eine Art Zahnrad auf dem Tubus haben. Alle diese Vorrichtungen benötigen aber einen Rig, wodurch die Kamera durchaus recht unhandlich wird.

Was ist aber mit den Kameras zwischen diesen Extremen Vollformat und Camcorder? Das ist auf jeden Fall eine mögliche Lösung. Die kleinen APS-C Kameras wie die A6000 werden in der Charakteristik eher bei der Vollformat liegen, Kameras mit kleineren Sensoren wie MFT oder 1" können nicht mehr "so" gut freistellen wie eine Vollformat, eignen sich dafür aber auch schon für Reportagen. Kameras mit Wechseloptiken können beim Filmen den Nachteil haben, dass ich ab und zu das Objektiv wechseln muss, dass ich nicht so einfach zoomen oder die Schärfeebene während der Aufnahme verstellen kann. Systemkameras mit festen Objektiven haben zwar einen Motorzoom, aber wiederum den Nachteil, dass ein Superzoom (unter Fotografen auch "Suppenzoom" genannt) nie die Qualität eines Fotoobjektivs erreichen kann.

Resumee: Es hängt alles davon ab, was ich drehen will und welche Qualitätsansprüche ich stelle. Ich bin hier extra nicht auf Proficamcorder eingegangen, die oft beide Qualität haben, denn die sind ausserhalb meines und auch vieler anderen Budgets. Ich bin nur ein Amateurfilmer, der aber die bestmögliche technische Qualität aus seinem Gerät rausholen will.

Zusammenfassung der Vorteile DSLR/SLT im Vollformat:
- niedrige Schärfentiefe, damit schauen die Aufnahmen "filmischer" aus, der Zuschauer kann durch die Schärfeebene zusätzlich gelenkt werden, was im Bild wichtig ist (Filmlook)
- hohe Lichtausbeute, auch bei wenig Licht und hohen ISO Zahlen gelingen qualitativ hervorragende Aufnahmen
- durch hochwertige Objektive und großen Sensor ist die technische Qualität der Aufnahmen hervorragend

Zusammenfassung der Vorteile Camcorder mit kleinem Sensor:
- hohe Schärfentiefe, dadurch für Reportagen sehr gut geeignet
- Motorzoom
- kein Objektivwechsel nötig, 12fach Zoom deckt fast immer alles ab
- einfachere Handhabung beim Filmen


Timelapse - Zeitraffer

Timelapse, ist das nun Film oder Fotografie? Zunächst einmal würde es auf Deutsch natürlich "Zeitraffer" heissen, also Filmaufnahmen, die schneller als Realzeit ablaufen. Das kann man technisch in einem Filmbearbeitungsprogramm machen, indem man eine Filmaufnahme schneller als 100% laufen lässt, aber natürlich auch mit einer Fotokamera als Einzelbilder festhalten und dann die Einzelbilder zu einer Filmaufnahme zusammensetzen. Auf beide Techniken werde ich hier eingehen.

Was ist als Zeitraffer geeignet?

Aber zunächst mal stellt sich die Frage, welche Vorgänge sind als Zeitraffer im Film geeignet? Das gibt es viele Themen, allerdings als Filmer ist es für mich wichtig, dass die so entstandenen Aufnahmen in den Film passen. Grundsätzlich ist natürlich jeder Vorgang interessant, der im Film etwas sichtbar macht, was in Realzeit nicht zu sehen ist. Ganz typische Beispiele für Zeitrafferaufnahmen sind: Wolkenformationen, Sonnenuntergänge, Sterne oder Mond am Himmel, aufgehende Blumen, Blüten und Pflanzen jeder Art, Schlüpfen von Küken oder anderen Tieren, Verkehrsfluss an Kreuzungen oder auch an Bahnhöfen, Bauarbeiten an Häusern oder Straßen und viele andere interessante Vorgänge.

Filme ich so einen Vorgang mit einer Videokamera, muss ich nur lang genug filmen und mir überlegen, wie schnell ich das später mache, aber bei Vorgängen, die länger als eine Stunde dauern, würde ich immer zur Fotokamera greifen. Auf jeden Fall brauche ich aber bei beiden Arten von Timelapse ein Stativ. Auf eine Videoaufnahme muss ich also nicht weiter eingehen, ich stelle die Kamera auf Stativ und lasse sie lang genug aufnehmen, einen Zeitraffer mache ich erst später im Filmbearbeitungsprogramm, indem ich die entstandene Aufnahme mit mehrfacher Geschwindigkeit laufen lasse. Welche Geschwindigkeit kann ich mir zwar schon vorher überlegen aber letztendlich mache ich das davon abhängig, dass der Vorgang, den ich zeigen will, deutlich wird.

Zeitraffer mit der Fotokamera

Bevor ich jedoch mit Timelapse-Aufnahmen bei einer Fotokamera anfange, muss ich mir über eins im Klaren sein: Wie lange wird der Vorgang in Realzeit dauern und wie lange soll dieser Vorgang dann im Film dauern. Daraus ergibt bei Einzelaufnahmen der Abstand zwischen den einzelnen Bildern.  Was ich aber auf jeden Fall bei Fotoaufnahmen noch zusätzlich zu einem Stativ brauche, ist ein Selbstauslöser. Ein Film läuft normalerweise mit 25 Bilder pro Sekunde und ich brauche mindestens 12 pro Sekunde, damit das auch als Film wahrgenommen wird und nicht ruckelt. Soll also eine Aufnahme 20 Sekunden im Film dauern und sie dauert 1 Stunde in Realzeit, brauche ich bei einer Fotokamera 500 Einzelaufnahmen. Eine Stunde sind 3600 Sekunden, also muss ich alle 3600/500 Sekunden eine Aufnahme machen, das sind alle 7,2 Sekunden. Damit wird die Bewegung später auch flüssig. Was ich auch noch berücksichtigen muss, ist die Belichtungszeit. Die Kamera muss auch genug Zeit haben, die Aufnahme abzuspeichern. Dann muss ich auch noch berücksichtigen, dass eine Speicherkarte in der Kamera ist, die schnell genug ist und auch genug Platz bietet. Bei Fotoaufnahmen für einen Zeitraffer-Film muss ich nicht unbedingt in höchster Auflösung fotografieren. Ausserdem sollte ich die Kamera, soweit möglich, gleich in den 16:9 Modus schalten. Theoretisch genügt eine Auflösung von 4MP, da selbst Full-HD beim Film nur 2MP hat. Höhere Auflösung ist dann lohnenswert, wenn ich Ausschnitte machen will oder z.B. während des Zeitraffers im Bild schwenken oder zoomen will. Es genügt auch in JPG zu fotografieren. Nur wenn ich stark nachbearbeiten will, lohnt sich der RAW Modus.

Die nächste wichtige Frage, die sich stellt: Wie füge ich die einzelnen Aufnahmen zu einem Film zusammen? Der einfachste Weg ist es, die einzelnen Fotos als Standbilder zu importieren, wobei jedes Standbild ein Bild sein sollte. Das kann man meistens in der Filmbearbeitung voreinstellen. Wenn ich die Fotos allerdings nachbearbeiten will, dann sollte ich vorher zu Fotobearbeitung greifen. Ich nehme hier Lightroom von Adobe, da es mir die Möglichkeiten bietet, die ich brauche. Ich kann die einzelnen Fotos schon auf das Full-HD Format zuschneiden, ich kann die Fotos nachbearbeiten, also Kontrast, Farben, Weissabgleich, Belichtung etc. anpassen. Lightroom bietet mir den Vorteil, dass ich ein Foto nachbearbeiten und anschließend die Schritte auf alle Fotos der Sequenz übertragen kann. Will ich im Bild allerdings schwenken oder zoomen oder oder sogar die Belichtung pro Fotos angleichen, dann wird es schwierig. Das haben sich aber schon andere Leute auch gedacht und daraus ist ein spezielles Programm für Timelapse Aufnahmen entstanden: LRTimelapse. Das Programm gibt es in einer kostenlosen Version bis 400 Bilder und in einer Bezahlversion, wo man noch mehr machen kann und die Bilderzahl nicht beschränkt ist.



Was kann nun dieses Programm LRTimelapse? Zunächst mal kann es die Bilder gegeneinander angleichen, also gerade die Belichtung, was am Wichtigsten ist. Ich kann aber auch Ausschnitte machen, durch die Sequenzen zoomen oder schwenken, das Bild auf 16:9 Format zuschneiden und viele andere Sachen mehr. Da ich Sequenzen anlegen kann, kann ich auch mehrere dieser Aktionen auch auf nur einen Teil der Bilder anwenden. Abgespeichert werden nur die Metadaten zu den Bildern im Lightroom kompatiblem XMP Format. Es wird also keines der Bilder verändert, das mache ich erst beim endgültigen Export aus Adobe Lightroom. Nach den Anpassungen in LRTimelapse gehe ich also wieder zurück nach Lightroom und nun kann ich die Einzelbilder entweder als MP4 Filmdatei bereits ausgeben oder als einzelne JPGs, die ich dann mit der bereits beschriebenen Methode in meine Filmbearbeitung lade.

Hier ist nun mein Workflow, wie die einzelnen Sequenzen in meinem Film "Lebenszeit" entstanden sind:

Schritt 1:
Ich ziehe mit meiner Fotokamera (Sony SLT A65) mit Stativ (oft nur mit meinem Gorillapod Focus) los und suche mir ein geeignetes Motiv. Mittels einer Zeitschaltung nehme ich nun im Abstand von meistens 5 Sekunden auf. Hier kann man eine beliebige Zeitschaltung, die Sony kompatibel ist, nehmen. Ich habe dazu neuerdings Triggertrap, das ist ein Kabel, das meine Kamera mit dem iPhone verbindet. Mittels der iPhone-App wird nun die Kamera gesteuert. Jetzt muss ich Geduld mitbringen, einige meiner Aufnahmen dauerten mehr als 1 Stunde, verwendet habe ich im Film dann nur einen Teil davon. Ist alles im Kasten, dann werden zuhause alle Aufnahmen von der SD Karte auf die Platte im Heimrechner überspielt.

Schritt 2:

Ich lade alle Aufnahmen in LR Timelapse, hier mache ich nun den Schwenk, Zoom bzw. Ausschnitt und passe die Belichtung an. Da ich immer in RAW fotografiere, habe ich alle Möglichkeiten der Nachbearbeitung offen. Ist das in LRTimelapse erledigt, werden dort die Metadaten in den XMP Dateien abgespeichert und ich starte nun Adobe Lightroom und importiere die gesamte Sequenz von Einzelaufnahmen. Lightroom erkennt, dass da bereits Metadateien vorliegen und liest sie ein, damit habe ich die Bilder so vorliegen, wie ich sie in LRTimelapse verändert habe. Nun passe ich noch Kontrast, Gesamtbelichtung, Klarheit etc. an, das ist gerade bei Sonnenuntergängen wichtig, damit die besser rauskommen. Bei Wolkenformationen mache ich den blauen Himmel blauer und die weissen Wolken weisser, je nachdem, welchen Effekt ich erzielen will. Natürlich wende ich diese Veränderungen auf alle Aufnahmen an. Nun exportiere ich die Einzelbilder als JPG. Wichtig ist, dass man die kamerainterne Nummerierung benutzt und einhält, damit die Bilder nicht durcheinander kommen. Ist was durcheinandergeraten, so gibt es noch die Möglichkeit, dass ich alles nach dem Aufnahmedatum und Zeit sortiere und dann beim Export entsprechend umbenenne und dabei ein fortlaufendes Nummerierungsschema verwende.

Schritt 3:

Die so entstandenen Einzelbilder liegen als JPG in einem Ordner vor, ich importiere nun alle Einzelbilder mit der Länge 1 Frame in mein Edius. Übrigens habe ich pro Aufnahme in Edius einen Ordner und eine Sequenz, damit mir nichts durcheinandergerät. Nun speichere ich jede Sequenz als einen Film ab. Damit habe ich die Zeitrafferaufnahmen nun als einzelne Filme vorliegen und ich kann sie dann einfach in mein richtiges Filmprojekt einbinden.

Zusammenfassung:

Das war´s, Ihr seht, so schwierig ist es gar nicht, Zeitrafferaufnahmen zu machen, man muss nur wissen wie und genau diese Anleitung und meine Erfahrungen wollte ich in diesem Artikel zusammenfassen.

Lebenszeit - Mein Video, wo ich Timelapseaufnahmen verwendet habe.


PRAXIS: Gorillapod Focus

Was um Himmelswillen ist denn ein Gorillapod, werden sich einige von Euch fragen, die diese Seite über die Suche nach Gorillas erreicht haben. Nun, der Gorillapod hat natürlich gar nichts mit Tieren zu tun, sondern ist ein kleines Stativ, dass sehr biegbar ist. Vor einigen Jahren hat es die Firma Joby erfunden und auf den Markt gebracht und inzwischen gibt es dieses Stativ in sehr vielen Variationen. Es gibt auch viele Nachmacher, aber Vorsicht, oft sind die Stative nicht ihr Geld wert. Auch die kleineren Versionen vom Gorillapod halten nur bedingt Eure Kamera, schon gar nicht die einfachen Versionen.


Dies ist wieder einmal ein Praxisbericht, denn ich habe dieses Gorillapod Focus seit über einem Jahr und ich kann es vorwegnehmen, ich bin richtig begeistert davon und habe es eigentlich immer in meinem Rucksack dabei, egal ob ich auf Fototour gehe oder Filmen will. Dabei benutze ich das gar nicht so, wie eigentlich vom Hersteller gedacht. Warum das so ist, werdet ihr wissen, wenn ihr den Artikel fertig gelesen habt.

Aber fangen wir mal von vorne an. Wenn ich zum Filmen oder Fotografieren gehe und meinen Rucksack mitnehme, dann habe ich früher immer ein Stativproblem gehabt. Das große Stativ war mir immer zu schwer und zu groß zum rumschleppen. Eine erste Abhilfe schafft ein Reissack. Solange ich eine ebene Auflage finde, die auch auf der Höhe ist, wie ich filmen oder fotografieren will, dann ist es ok, aber es ist halt kein Stativersatz und nichts Handfestes. Also machte ich mich auf die Suche nach einem kleinen Stativ, dass gut verstellbar war, meine Kamera mit Objektiv halten konnte und auch noch möglichst stabil. Schnell wurde ich bei den Gorillapods fündig, allerdings waren alle kleineren Modelle ungeeignet, da nicht für größere Kamera gedacht und einfach auch nicht stabil genug.

Eigentlich gibt es nur eine Version vom Gorillapod, die wirklich stabil ist und das ist das Gorillapod Focus. Gemacht wurde es für den Einsatzzweck, dass es selbst eine SLR Kamera mit einem großen Objektiv halten kann und dementsprechend stabil ist es auch. Ein Nachteil mag sein, dass es keinen Stativkopf besitzt aber da hat natürlich die Firma vorgesorgt und bietet einen Stativkopf dafür an. Allerdings muss ich aus meiner eigenen Praxis wieder sagen, ich brauche den Kopf gar nicht, denn ich schraube meine Kamera direkt an den Gorillapod. Damit steht die Kamera noch stabiler und schließlich ist das Stativ sehr biegbar, um es in die richtige Position zu bringen.

Natürlich ist das Stativ sehr niedrig, es ist nicht dafür gedacht, dass wir es auf den Boden stellen, sondern ich suche mir immer etwas, wo ich es festmachen kann. Das kann ein Geländer sein, ein Laternenmast oder auch ein Papierkorb, eine Parkbank ein Mauervorsprung usw. usf. Selbst die kleinste Fläche genügt schon, um das Stativ sicher aufzustellen. Dafür passt der Pod aber in einen selbst kleinen Rucksack, ein riesiger Vorteil, gerade auf Reisen, gegenüber einem großen Standardstativ. Jetzt werden sich noch viele von Euch sicher fragen: Und hält es meine Kamera? Meine Antwort ist eindeutig ja, wenn die Kamera nicht gerade 10kg wiegt. Ich habe schon meine A65 dran gehabt mit einem 500 Tele und zwar einem richtigen Tele kein Spiegeltele und ich konnte damit absolut ruhige Aufnahmen machen.

Das Bild oben stammt von meinen Aufahmen zum Film "Lebenszeit". Die hier gemachte Aufnahme vom Sonnenuntergang war eine Timelapse Aufnahme, gerade da muss ein Stativ absolut stabil sein, denn jedes Verrutschen macht die Aufnahmen unbrauchbar. Über Timelapse habe ich übrigens in einem anderen Artikel geschrieben. 

Natürlich ersetzt es nicht immer ein richtiges Stativ, denn wie schon geschrieben, ich brauche etwas, wo ich es festmachen kann. In der Stadt ist es nie ein Problem, wenn ich allerdings irgendwo in der Wüste stehe, wo ich nichts habe, wo ich das Pod festhalten kann, dann habe ich tatsächlich ein Problem. Da ich aber bisher in keiner Wüste war... Auch nicht geeignet ist das Pod für Veranstaltungen, wie etwa Konzerte, da ist ein großes Stativ natürlich geeigneter, da unabhängig von einer Auflagemöglichkeit.

Wo ich mein Gorillapod aber sehr gerne mitnehme, ist in die Stadt, denn dort findet man fast immer eine Möglichkeit, das Stativ anzubringen. Die Stativenden sind übrigens aus einem gummierten sehr festen Material, die halten auf jeder Fläche, egal wie eben oder uneben die ist. Wenn ich mein Gorillapod sozusagen herkömmlich als normales Stativ benutze, muss ich nur darauf achten, dass es richtig ausbalanciert ist, da die Füße vom Pod aber extrem biegbar sind, ist das meistens kein Problem.


Filmen mit der Sony SLT A65

Die Sony SLT-A65 ist eine Spiegelreflexkamera ohne Spiegel und eigentlich erstmal zum Fotografieren gedacht. Da sie spiegellos ist, klappt beim Auslösen auch kein Spiegel runter. Der verbaute durchlässige Spiegel ist nur für die Autofocus Funktion zuständig. Gerade durch diese Bauweise eignet sich die Kamera sehr gut zum Filmen. Ausserdem ist es auch eine Kamera mit einem elektronischen Sucher, das kommt beim Filmen auch entgegen, da man auch im Sucher das sieht, was später auf dem Chip ist. Filmaufnahmen macht die Kamera im AVCHD Format (man kann aber auch umschalten auf MP4) und zwar in verschiedenen Qualitätstufen von 16 bis 28 MBit. 50i oder wahlweise auch 50p ist möglich. Da aber heutige SD Karten relativ günstig sind, schalte ich die Kamera eigentlich immer auf die bestmögliche Leistung. Dazu muss man auch keine teueren Karten kaufen, 20MBit Klasse 10 genügt hier vollkommen und die gibt es in der 64GB Ausführung schon um die 40 Euro.

Aber was macht die Kamera zum Filmen besonders? Da ist nunmal an erster Stelle die Objektivmöglichkeit zu nennen. Man kann alle Minolta AF und Sony Objektive anschließen und über einen Adapter auch M42 Objektive aus den 60er Jahren, dann aber ohne Autofocus. Wenn wir schon über Autofocus reden. Der ist recht zuverlässig und ausserdem kann man ihn auf "Nachführen" schalten, das heisst, das beim Filmen verfolgte Objekt bleibt scharf. Einen Motorzoom gibt es natürlich nicht, aber das haben wirklich nur reine Filmkameras. Man gewöhnt sich schnell daran und ausserdem ist Zoomen meistens beim Film eh überflüssig. Wer das trotzdem machen möchte, für SLR Objektive gibt es viele verschiedene Zusatzvorrichtungen, womit man auch einen Motorzoom realisieren kann.

Die Kamera muss zum Fimen nicht unbedingt auf einem Stativ stehen, schließlich hat sie auch ein gutes Antiwackelsystem eingebaut. Aber ab einer Brennweite von 50mm ist ein Stativ oder zumindest eine Auflagemöglichkeit schon empfehlenswert, denn im 16:9 Full-HD Format merkt man natürlich jeden kleinsten Wackler. Will man dann auch noch etwas Zeitrafferaufnahmen machen, dann kommt man um ein Stativ eh nicht rum. Neben dem seht guten und hochauflösenden Sucher, wo auch alle relevanten Informationen eingeblendet werden können, hat die Kamera natürlich auch noch ein Display, das man nach oben und unten klappen kann. Damit sind auch Aufnahmen vom Boden oder über Kopf kein Problem, man sieht trotzdem, was man filmt.

Was die Kamera gegen viele andere SLR zum Filmen hervorhebt, ist aber die komplette manuelle Eingriffsmöglichkeit. Sowohl der P, S und A als auch der M, also komplett manuelle Modus stehen beim Filmen zur Verfügung, ebenso wie die ISO Einstellung. Wobei A, S und M Modus nur ohne Autofocus funktionieren. Was bedeutet das in der Praxis? Im P Modus wird Blende und Zeit automatisch gewählt, man kann sich komplett in Reportagesituationen auf das Filmen konzentrieren. Im A-Modus wählt man die Blende vor. Je höher sie ist, umso so größer die Schärfentiefe und damit natürlich umgekehrt, es lassen sich Filmaufnahmen auch mit einer sehr geringen Schärfentiefe machen. Bei einem 1.8 Objektiv kann die Schärfentiefe durchaus bei wenigen Millimetern liegen. Natürlich muss ich darauf achten, dass die Zeit bei mindestens 1/50 liegt, falls man im 50p Modus filmt. Im 25p Modus ist es natürlich 1/25. Sonst wird die Aufnahme dunkel. Das heisst aber auch, dass man bei 25p Modus höhere Blenden erreichen kann oder auch bei weniger Licht filmen kann. Im manuellen M-Modus kann ich natürlich beide Parameter frei bestimmen und auch bei der Zeit bis zu 1/4 Sekunde heruntergehen, was interessante Effekte ergeben kann. Natürlich kann man bei den Aufnahmen auch mit der ISO Zahl spielen. Im Filmmodus lässt sich ISO im Bereich von 100 - 1600 frei einstellen und selbst bei ISO 1600 sieht man noch keine Qualitätseinbußen. Damit hat man beim Filmen eigentlich immer genügend Licht auch in schlechten Lichtsituationen. Natürlich wäre bei wenig Licht eine Ausleuchtung immer besser, aber das geht nicht überall.

Dadurch dass man bei dieser Kamera natürlich so viele verschiedene Objektive verwenden kann, ist die Ausrüstung nicht unbedingt leicht, wenn man unterwegs für alle Situationen gewappnet sein will. Im Normalfall tue ich aber mein Tamron 18-200 drauf. Unter Fotografen oft als Suppenzoom verpönnt, leistet das Objektiv im Filmbereich ausreichende Dienste, falls man genug Licht zur Verfügung hat. Für Situationen mit wenig Licht habe ich ein Sony 50mm/1.8, das kostet nicht die Welt (ca. 150 Euro) und ist ein sehr gutes Porträtobjektiv. Für Makroaufnahmen und leichter Weitwinkel bei wenig Licht benutze ich ein Sigma 24mm/2.8, das habe ich günstif gebraucht erstanden. Brauche ich im Telebereich ein lichtstärkeres Objektiv, dann habe ich noch ein altes Minolta 70-210 Ofenrohr und ein Pentacon 200mm/2.8 von anno dazumal. Beide Objektive zeichnet eine sehr gute Abbildungsqualität aus und sie lassen sich relativ günstig in der Bucht erstehen. Dort habe ich auch noch ein 400mm Hanimex mit Verdoppler erstanden, ganze 40 Euro mit M42 Anschluss hat mich das gekostet. Damit habe ich sämtliche Situationen abgedeckt, ohne Unmengen an Geld auszugeben. Übrigens, im Filmmodus haben alle diese Objektive einen etwas kleineren Bildwinkel, ich habe also weniger Weitwinkel, dafür aber mehr Tele zur Verfügung.

Welche Gründe gibt es noch, eine solche SLR zum Filmen einzusetzen? Für mich als gleichzeitiger Hobbyfotograf bedeutet es auch, dass ich nur noch ein Gerät benötige, um meinen beiden Hobbys nachzugehen. Wenn ich fotografiere und dann mittendrin ein Filmmotiv entdecke, brauche ich nicht einmal umzuschalten, ein Druck auf die Movie Taste genügt.