1999 - USA: Natur und Städte des Westens

In 18 Tagen 6000km durch 6 Bundesstaaten

Am 20. September ging es los. Condor brachte uns im zehnstündigen Direktflug zum Sonderpreis von 890 DM von München nach Las Vegas. Wir hatten 18 Tage, um den Westen der Vereinigten Staaten zu erkunden. Ich war schon mal vor 16 Jahren hier, aber es gibt in der Gegend so viel zu sehen, daß eine erneute Reise in die Gegend immer wieder zum Erlebnis wird. Beim Anflug auf Las Vegas wird es sofort deutlich, wir befinden uns im Land der unbegrenzten Möflichkeiten. Wie sonst wäre es möglich, daß mitten in der Wüste eine Oase liegt, in der inzwischen über eine Million Menschen leben. Es ist die Stadt sämtlicher Superlativen. Das größte Hotel hat über 7000 Betten, auf dem Fernsehturm fährt eine Achterbahn, das Imax-Kino ist nicht irgendeines, sondern natürlich in 3D und mit beweglichen Sesseln, im Hilton Hotel ist die Brücke des Raumschiffes Enterprise (wer kennt StarTrek nicht) aufgebaut, vor dem Hotel Treasure Island findet alle 90 Minuten eine Seeschlacht statt, um die Skyline von Manhattan fährt die größte und schnellste Achterbahn der Welt und im Venetian kann man im 1. Stock in Gondeln über den Canale Grande fahren. Man könnte also die ganze Zeit dort bleiben, es wäre bestimmt nicht langweilig, aber wir wollen schließlich auch ein bischen Natur sehen.

 

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Also haben wir von Deutschland aus für die ganze Zeit ein Auto gemietet, eigentlich einen normalen amerikanischen Wagen. Doch nach kurzer Verhandlung mit dem Alamo Rent-a-car haben wir günstig einen Mitsubischi Montero 2000, einen vierradgetriebenen Jeep und die Zusicherung für ein Cabrio für die letzten zwei Tage. Das allerdings ergab sich rein zufällig, da der Montero ganz neu ist und nur eine vorläufige Zulassung für 16 Tage hat. Die ersten zwei Nächte verbringen wir im Treasure Island und erkunden die Stadt. Wir haben uns vorgenommen, nur in den letzten zwei Tagen bzw. Nächten unserer Reise an die Spielautomaten zu gehen, schließlich wollen wir noch bei Kasse bleiben. Das ist allerdings nicht ganz einfach, da man zum Hotelzimmer bereits an Hunderten der Slotmaschinen vorbeigehen muß. Aber wir widerstehen und machen uns am dritten Tag auf die Reise. Wir haben nur 4 Tage Zeit, denn am Sonntag wollen wir wieder in Las Vegas sein, da wir erfahren haben, daß da ein Indycarrennen stattfindet, das wir uns nicht entegehen lassen wollen.

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Unser erster Halt ist der Hoover Dam. Ein Bauwerk, das architektonisch zu den 10 interessantesten der Welt gehört. Da es angefangen hat zu regnen (in Vegas war es noch über 30 Grad), machen wir nur einen kurzen geführten Rundgang durch das Wasserkraftwerk. Unser erstes Abendziel heißt Grand Canyon. Die erste Überraschung ist der relativ hohe ($20) Eintrittspreis in den Nationalpark. Da wir noch mindestens 5 weitere Parks besuchen wollen, kaufen wir uns gleich für $50 einen Golden Pass, das ist eine Jahreskarte für sämtliche Nationalparks der USA. Man zahlt übrigens pro Auto, nicht pro Person, was allerdings hier nicht überrascht. Es regnet den ganzen Nachmittag und so beschliessen wir hier zu übernachten, um morgen vielleicht eine bessere Sicht auf dieses eine der sieben Weltwunder der Natur zu haben. Allerdings sind wir mit diesem Entschluß nicht alleine und so müssen wir 50 Meilen wieder zurückfahren, um ein Hotelzimmer zu bekommen. Und das obwohl  außerhalb der Saison und mitten in der Woche. Es empfiehlt sich also dringend, weit voraus dort Zimmer zu buchen, da der Andrang im Sommer noch viel größer ist. Am nächsten Tag regnet es zwar weiter, die Sicht ist aber besser. Am späten Vormittag fahren wir weiter und kommen am Nachmittag ins Monument Valley. Die Aussicht ist trotz Regens kollossal. Kein Wunder, daß hier die beste Naturkulisse für viele Hollywoodfilme ist. John Ford und Marlboro lassen grüssen. Hier gilt übrigens der Golden Pass nicht, da wir uns auf Indianergebiet befinden. Nach einer Abendfahrt treffen wir schließlich in Durango ein. Am nächsten Tag geht´s mit der Eisenbahn nach Silverton. Die $60 sind hier nicht schade, es ist eine der schönsten historischen Eisenbahnstrecken überhaupt. Über 45 Meilen geht es in 3,5 Stunden ins 3000m hoch gelegene Silverton. Wie schon der Name sagt, die Strecke wurde damals wegen der dortigen Silbermine gebaut. Nach eben so langer Rückfahrt kommen wir abend wieder zurück und fahren noch bis Cortez, wo wir übernachten. Am vierten Tag geht es zuerst zu den Natural Bridges. Zur ersten Naturbrücke machen wir eine einstündige Wanderung, die landschaftlich sehr reizvoll, aber wegen der großen Hitze ziemlich anstrengend ist. Dann fahren wir durch die Canyonlands nach Nordosten. Nach der Überquerung des Coloradoriver sind wir auf einem unvergeßlichen Aussichtspunkt. Unter uns der zum See gewordene Fluß und über uns bizzare Bergformationen. Vielleicht der schönste Landschaftsblick unserer Reise. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich einen weiteren Nationalpark mit vielen bizarren Felsformationen. Bryce Canyon schließlich lassen wir aus, da wir bereits im Dunkeln vorbeifahren, den Zion Park behalten wir uns noch für den Schluß vor. Wir kommen bis 11 Uhr abends nach Cedar City, wo wir von dem langen Reisetag übermüdet, übernachten. Am nächsten Tag, es ist Sonntag, geht´s direkt wieder nach Las Vegas zur Motor Speedway. Wie in Amerika üblich, ein Oval. Trotz ca. 30 000 Zuschauer schaut es fast leer aus, da mindestens 100 000 im Oval Platz haben. Die Stimmung ist riesig, da schließlich auch noch ein einheimischer Rennfahrer aus Las Vages (Sam Schmidt) gewinnt. Übrigens ist der Eintrittspreis mit $30 gar nicht so hoch, wie wir zuerst vermuteten. Der Tag war laut und bei 37 Grad Hitze auch ziemlich anstrengend. Das Ergebnis kann man in meinem ersten fertiggestellten Film von dieser Reise begutachten. Am Nachmittag fahren wir dann gleich weiter und erreichen mit den letzten Lichtstrahlen des Tages noch Badwater, den niedrigsten Punkt (ca. 30m unter dem Meeresspiegel) der USA. Wir übernachten in der Oase Furnace Creek im Death Valley in einem hervorragenden Hotel ($170 als Sonderpreis für das Zimmer). Um 10 Uhr abends hat es noch 36 Grad und wir erholen uns im hoteleigenen Swimmingpool, dessen Heilwasser allerdings die 40 Grad überschreitet.

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Eine Woche ist inzwischen vorüber und es gibt noch viel mehr zu erleben. Fluchtartig verlassen wir aber das Death Valley, der Name sagt ja alles, für heute sind bis 45 Grad im Schatten angesagt. Gut daß unsere Klimaanlage richtig funktioniert. Wir fahren am höchsten Berg der Rockies vorbei und erreichen bei Einbruch der Dunkelheit schließlich den Sequoia Nationalpark. Hätten wir einen Höhenmeter dabei, so würden wir wahrscheinlich nicht aus den Staunen rauskommen. Von -30m auf über 2800, dann wieder runter und schließlich wieder hoch auf 2000m. Am nächsten Tag haben wir Glück. Beim unserer ersten Wanderung im Park treffen wir auf dem Aussichtsberg auf eine Rangerin, die die ganze Geschichte des Parks interessierten Zuhörern erklärt. Sequoias sind die größten und mächtigsten Bäume (=Lebewesen) der Erde. Am Nachmittag verlassen wir die Riesen und fahren wieder runter und schließlich wieder rauf in den Yosemite Nationalpark. Kurz vor Sonnenuntergang stehen wir auf dem Glacier Point, dem schönsten Aussichtspunkt des Parkes. Unter uns liegt das Yosemite Village, vor uns die mächtigen und eindrucksvollen Felsen. Unten erhaschen wir dann noch den letzten Blick auf El Capitano, den meist bestiegenen Felsen der Gegend. Wir übernachten außerhalb des Parkes.

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Heute ist wieder eine weite Fahrt angesagt. Wir durchqueren nochmal den Park und fahren über einen 3000m hohen Paß auf die andere Seite zu Mono Lake. Der See weist viele bizzare Gesteinsformationen auf, die dadurch entstanden, daß dem See im Lauf der Zeit Wasser entzogen wurde. Der See ist so salzhaltig, daß man darin liegen könnte, allerdings ist der Badeplatz verlassen. Am frühen Nachmittag fahren wir nach Bodie, die am besten erhaltenen Ghost Town Amerikas. Überall bieten sich interessante Aus- und Einblicke in die Geschichte Amerikas. Am späten Nachmittag geht´s schließlich weiter. Wir wollen einen hohen Paß mit wieder tausenden von Kurven meiden und so entschließen wir uns über Lake Tahoe zu fahren, wo wir kurz vor der Dunkelheit eintreffen. Immerhin gerade richtig zum Abendessen, wir sind hier wieder in Nevada und die reichhaltigen Büffets in den Casinos warten. Nach einer längeren Abendfahrt kommen wir noch bis hinter Sacramento, gerade richtig, damit wir morgen in San Francisco sind.

San Francisco, dort war ich schon zweimal vorher und immer wieder zieht mich diese Stadt in ihren Bann. Den ersten Tag verbringen wir beim Bummeln über den Fisherman´s Wharf und mit einigen Fahrten mit den Cable Cars. Am Abend fahren wir schließlich zu den Twin Peaks rauf, dort bietet sich ein überwältigender Anblick auf die gesamte Bay Area. Am zweiten Tag steht ein Besuch auf Alcatraz an. Die Fahrkarten für die Überfahrt kauft man am besten schon einen Tag vorher, da der Andrang sehr groß ist. Wir bekommen Tickets erst für 12 Uhr und so können wir in der Früh noch das Cable Car Museum besichtigen. Alcatraz ist immer eine Reise wert, denn es ist eine Reise in Amerikas Vergangenheit. Das Gefängnis ist schon viele Jahre stillgelegt, trotzdem übt es auf die Besucher einen unvergesslichen Reiz aus, denn schließlich ist es eines der umstrittensten Gefängnisse der Welt. Alle Ausbruchsversuche (es hat nur 3 gegeben) sind gescheitert und so war es auch das Sicherste. Am späten Nachmittag geht es wieder zurück. Am Abend steht China Town auf dem Programm. Man darf es keinesfalls verpassen, in der größten Stadt außerhalb Chinas zum Dinner zu gehen, die Auswahl ist riesengroß. Am dritten Tag machen wir uns auf die Weiterreise. Wir kommen bis Monterey, wo wir das Aquarium besuchen. Es ist Samstag und auch das schäbigste Hotel verlangt hier heute Preise von jenseits $100. So fahren wir 50 km nach Salinas, wo wir billige und gute Zimmer bekommen.

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Heute steht zuerst die größte Enttäuschung auf dem Programm. Der 17-Mile-Drive ist eine kostenpflichtige Fahrt am Meer entlang. Man zahlt dafür, daß man reichen Amerikanern beim Golfspielen am Meer zuschauen kann. So fahren wir schnell weiter, wir wollen noch nach Los Angeles. Unterwegs machen wir einen unbeabsichtigten Halt, denn es sind Seeelefanten zu sehen. Nicht etwa im Zoo, sondern in freier Natur kann man hier direkt zwischen ihnen am Meer entlang spazieren. Wo bekommt man sonst eine solche Gelegenheit. Am Nachmittag lassen wir das Hearst Castle neben uns liegen, da es auch nicht anders aussieht als Neuschwanstein. Gegen Abend erreichen wir Santa Monica. Auf einem volksfestartigen Pier geniessen wir die letzten Lichtstrahlen des Tages. Schließlich suchen wir uns in Hollywood eine Übernachtung. In aller Früh stehen zuerst die Paramount Studios auf dem Plan. Ein zweistündiger Rundgang bringt uns die bewegte Geschichte der Studios und die gewonnenen Oscars etwas näher. Danach gehen wir natürlich über die Sterne des Hollywood Boulevards zum Chinese Theatre und schauen uns alle Abdrücke berühmter Leute auf dem Vorplatz an. Anschließlich besuchen wir das dortige Internetcafe, um Grüße nach Hause zu schicken und uns mit den neuesten Nachrichten aus Deutschland zu versorgen. Den Sonnenuntergang erleben wir dann wieder am Meer in Venice Beach. Den nächsten Tag haben wir uns komplett für die Universal Studios reserviert. Der Tag beginnt mit einer Rundfahrt durch die Studios, anschließend geht es zu Jurrasic Park. Der Besucher sollte auf jeden Fall die Schilder, auf denen steht, daß man naß wird, beachten. Meine neue Kamera hat nach Jurrasic Park einen zweistündigen Aussetzer gehabt, da ich unbedingt die Durchfahrt durch einen Wasserfall aufnehmen wollte. Da half selbst das Set von Backdraft nicht, obwohl es dort recht heiß zuging. Mit der Aufführung von Terminator 3D hatten wir leider Pech, da die Anlage kaputtgegangen ist. E.T. und Back To The Future darf man natürlich genausowenig auslassen, wie Waterworld, eine der besten Live Stuntshows, die ich bisher gesehen habe. Gegen Abend machen wir uns auf die Weiterfahrt. Gegen 23 Uhr erreichen wir die Stateline von Nevada. Einige Anrufe in Las Vegas bringen hervor, daß die Hotels sehr voll und durchaus teuer sind ($135 New York, $200 Luxor, $175 Mirage usw. pro Zimmer) Bei der Stateline ist das kleine Städtchen Primm und dort kann man in einem sehr guten Hotel unter der Woche für $18 das Zimmer bleiben. Es ist zwar 50 Meilen bis Las Vegas, allerdings wird man auf 200 Meilen nichts billigeres und besseres finden. Am nächsten Tag wechseln wir das Auto (wir haben unser gewünschtes Cabrio bekommen) und machen uns auf den Weg zum Zion National Park. Es sind zwar über 150 Meilen, aber das Fahren in USA ist mit Automatik und Tempomat sehr bequem und außerdem macht das Cabriofahren auch viel Spaß. Wir verbringen den ganzen Tag im Zion und fahren dann schließlich geschlossen (ein Sturm kam auf), nach Las Vegas zurück. Den vorletzten Tag verbringen wir in der Stadt, um uns einige weitere Sachen anzuschauen. Am Abend haben wir dann Tickets für die beste Show der Stadt. Eigentlich ist die Show immer ausverkauft, aber wir haben schon vorgesorgt und uns die Karten gleich bei der Ankunft gekauft. Mit $80 ist die Show nicht gerade billig, aber Circle de Soleil Mystere ist schon natürlich weit über die Grenzen der Stadt bekannt. Das Geld ist gut angelegt. Wir erleben zwar eine sehr amerikanische aber trotzdem eindrucksvolle Artistikshow. Den Abend lassen wir dann schließlich im Casino ausklingen. Es war ein sehr guter Entschluß, nur an den letzten beiden Tag zu spielen, da die Anziehungskraft der vielen Automaten groß ist. Da die Auszahlquoten recht hoch sind, kann man mit geringen Einsätzen relativ lange spielen. Sitzt man aber an einem $5 Automaten, also max. $15 pro 5sec Spiel, dann kann das sehr schnell gehen. Um vier Uhr in der Früh ist dann unser restliches Bargeld fast alle ($70 verloren, allerdings einmal fast ein Royal Flash mit $1000 gehabt und außerdem $100 pro Nacht und Zimmer gespart) und so fällt es uns nicht schwer aufzuhören.

Der letzte Tag geht schließlich auch schnell vorbei, wir müssen das Auto abgeben und dann rechtzeitig am Flughafen sein. Selbst direkt am Eingang zum Flugzeug geht es noch heiß an den Spielautomaten her, hier wird davon profitiert, daß die Touristen ihr letztes Bargeld loswerden wollen. Diesmal geht es über Frankfurt nach München und am Samstag vormittag hat uns der graue deutsche Alltag wieder.