DIE BALTISCHE REISE

Unterwegs im Zeichen der UNICA

2001 - Die baltische Reise

Unterwegs im neuen Osteuropa

Wer kommt denn auf die Idee, so weit nach Osten zu fliegen? Das ist eine längere Geschichte. Ausgangspunkt war, dass ich nach Tallinn wollte, zur UNICA 2001, der Weltbegegnung des Amateurfilms. Grund war natürlich auch unter anderem, dass ich bei der Ausrichtung der UNICA 2004 in Veitshöchheim bei Würzburg werde mithelfen müssen und ich damit Eindrücke von den Jahren vorher sammeln wollte. Von meiner fixen Idee erzählte ich Clubkollegen. Nur alleine zur UNICA zu fahren, schien uns dann doch ein bischen wenig, also begannen wir, die Reise zu planen. Wir suchten eine geeignete Streckenführung, die uns durch alle drei baltischen Länder führen sollte und nahmen die Autoreservierung vor. Die Autos in Riga oder Tallinn zu leihen, war wesentlich teuerer, als in Vilnius und deshalb lag schnell der Entschluss fest, in Vilnius, der litauischen Hauptstadt zu starten Wir haben uns dann eine achterförmige Rundfahrt vorgenommen, die schließlich in Riga enden sollte. Wir spezifizierten die Strecke incl. jeder Übernachtung und daraufhin begannen wir Hotels auszusuchen, die dann vieler Kleinarbeit reserviert wurden. Anfang August konnte es dann losgehen. Da wir genug Lufthansa Meilen gesammelt haben, kostete uns der Flug über Frankfurt nach Vilnius und von Riga wieder zurück über Frankfurt nach München lediglich die Flughafengebühren. Die waren jedoch in Riga so hoch, dass diese Gebühren über 120 DM kosteten.

Alle Flüge gingen mit Lufthansa Linienflügen absolut problemlos vor sich. In Vilnius erwartete uns die erste positive Überraschung. Wir konnten über Hertz von uns aus nur ein relativ kleines Auto buchen (Astra Caravan), konnten aber vor Ort in Vilnius dann einen großen Honda Accord nehmen. Das Naujasis Hotel in Vilnius war ein BestWestern, die Qualität entprach denen unserer Hotels. Ebenso das Frühstückbuffet. Am Ende der Reise konnten wir erfreulich feststellen, dass alle Hotels absolut gut ausgesucht waren und unsere Erwartungen teilweise erheblich übertrafen. Ganz billig waren die Hotels zwar nicht, aber auch nicht teuerer als bei uns. Im Schnitt zahlten wir 100 DM pro Person im Doppelzimmer.

Autofahren ist in den baltischen Ländern eine der leichtesten Übungen. Die Straßen sind meistens gut ausgebaut und relativ leer. Selbst in den Hauptstädten ist der Verkehr gegenüber unseren Städten relativ fließend. Autobahnen gibt es nur an wenigen Stellen, zumindestens nicht dort, wo wir gefahren sind.

Gleich nach der Ankunft im Hotel, machten wir die erste Erkundungsreise durch Vilnius. Touristen sind in dieser Stadt fast unbekannt, die wenigen trifft man vor und in den Kirchen der Stadt. Davon hat Vilnius nämlich genug. Das erste Abendessen war gleich in richtiger Erfolg. Das Lokal war an der Einkaufhauptstrasse und man konnte draußen sitzen und die vorbeigehenden Leute beobachten. Nach zwei Stunden habe ich meine Meinung gründlich geändert. Nicht etwa über die Stadt, sondern über das Thema, in welcher Stadt begegnet man den meisten schönen Frauen? Ab sofort steht Vilnius eindeutig auf Platz eins. Da kann sich München erstmal ganz weit hinten anstellen. Ein Grund war natürlich auch der Spruch "Kleider machen Leute". Das bezog sich aber nicht nur auf Frauen, sondern ganz allgemein laufen die Leute in Vilnius wesentlich schicker gekleidet, als in unseren Breitengraden.

Aber zurück zu unserer Reise. Am nächsten Tag erkundeten wir die Umgebung und fuhren nach Trakai, die malerische Burginsel. Am Abend waren wir wieder zurück und im gleichen Lokal, wie am Vortag. Schließlich war dort auch das Essen hervorragend. Grundsätzlich konnten wir in allen drei baltischen Ländern feststellen, dass das Essen ausgezeichnet war. Der Preis lag meistens bei 2/3 des Preises bei uns, also war einiges billiger. Die einzige Ausnahme bildete Riga.

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Vilnius verliessen wir schließlich in Richtung Kaunas und besuchten zuerst das interessante Freilichtmuseum Rumsiskes. Kaunas ist ein kleines Städtchen, dass neben Kirchen auch ein für mich interessantes Telekommunikations- und Computermuseum beherbergte. Wir fuhren weiter und erreichten bis Abend die Stadt Klaipeda an der kurischen Nehrung. Am nächsten Tag ging per Fähre auf die Nehrung, wir fuhren Richtung Südwesten bis zur russischen Grenze. Richtig, russische, denn Kaliningrad (Königsberg) liegt in einer russischen Exklave. Das war aber nicht unser Ziel, sondern mehr die schönen Sanddünen an der Nehrung. Die Filmerwelt ist klein, war unsere Feststellung, denn wir trafen dort Filmfreunde aus einem Darmstädter Club. Wir fuhren dann weiter, unser Tagesziel war noch weit weg, nämlich die lettische Hauptstadt Riga. Allerdings benutzten wir die Stadt erstmal nur als Durchgangsstation, schließlich endete später unsere Reise dort und da hatten wir noch genug Zeit für die Stadt. Gleich am nächsten Tag in der Früh ging es weiter Richtung Nordosten, unser Ziel war Tartu. Unterwegs machten wir noch einen Abstecher in einen Wildpark bei Sigulda. Um auf die Hauptstraße zurückzukehren und möglichst keinen Umweg zu machen, mußten wir eine Flußfähre nehmen. Das und die anschließende Suche der Hauptstraße wurde noch fast zu einem Abenteuer. Auf die Fähre passte nur ein Auto und viel mehr fahren da wahrscheinlich pro Stunde auch nicht. Von der Fähre raus, verschwanden alle Straßenschilder, wir fuhren nach Sonne Richtung Norden. Mit kleinen Umwegen schafften wir es aber die Hauptstraße wiederzufinden und waren gegen Abend in Tartu. Die Stadt war klein, ein Restaurant nicht ganz einfach zu finden und an Sehenswürdigkeiten gab es soviel, dass wir in zwei Stunden durch waren. Das eigentliche Ereignis war aber das Hotel. Nicht nur dass es das günstigste der ganzen Reise war. Schon bei der Reservierung wurde Jürgen darauf hingewiesen, dass das Hotel eine Sauna hat. Was wir allerdings nicht erwarteten, dass es eine Sauna auf jedem Zimmer gibt. Also wurde gleich eingeheizt. Das Zimmer war so groß, dass man ein Fernglas brauchte, um die gegenüberliegende Wand zu entdecken. Wäre zum Fußballspielen geeignet gewesen.

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Am nächsten Tag ging es weiter in Richtung Tallinn. Unterwegs besuchten wir noch einige alte Gutshöfe und waren am Abend im Hotel Central in Tallinn. Der Name war verdient, denn das Hotel war kaum eine Viertelstunde Fußweg von der Altstadt weg. Die Altstadt ist eng und am Wochenende voll von finnischen Touristen, die nichts anderes vor haben, als sich volllaufen zu lassen. Schließlich kostet Alkohol in Estland kaum ein Drittel des Preises in Finnland. Die meisten Teile der Altstadt sind autofrei und zu Fuß gut begehbar. Die Altstadt ist sicher eine der schönsten und steht auch zu Recht unter dem Schutz der UNESCO. Viel wurde schon auch in den vergangenen Jahren renoviert. Zum erstenmal kam der Eindruck einer Touristenstadt. Die nächsten Tage besuchten wir dann auch die UNICA Veranstaltung, die in einem Saal der Staatsbibliothek stattfand. Wir waren insgesamt 4 Nächte in Talinn, nutzten dann den letzten Tag in Talinn zu einem Ausflug per Schiff nach Helsinki. Ein Autofähre der schnellen Art (Katamaran), bringt die Passagiere für ca. 80 Dm in 90 Minuten in die finnische Hauptstadt und wieder zurück. Der Eindruck von Helskinki: Noch nie habe ich so eine teuere Stadt erlebt, die aber touristisch insgesamt wenig zu bieten hat. Den Nachmittag verbrachten wir in einem Freiluftmuseum mit alten finnischen Häusern. Interessant dabei war, dass dieses Freiluftmuseum erstmal keinen Eintritt verlangte, erst wenn man in die Häuser reinschauen wollte, musste mal zahlen. Dadurch wurde der Park als Naherholungsgebiet von Einheimischen viel zum spazierengehen benutzt, schließlich liegt er auf einer landschaftlich schönen Halbinsel.

Von Tallinn ging es dann am darauf folgenden Tag weiter auf die Insel Saaremaa, wo wir ein Strandhotel gebucht haben. Die Badesaison war entweder schon aus, oder nicht vorhanden, da das Meer sehr kalt war. Wer allerdings die Einsamkeit sucht, der ist hier gerade richtig. Am nächsten Tag saß ich vier Stunden am Strand und begegnete keinem Menschen. Das interessanteste an der Insel ist in Kurressare ein alte Burg aus der Ordenszeit. Da sie nie zerstört wurde, ist alles vorhanden: Burggraben, Innenhof und alle Türme. In der Burg konnten wir auch ein interessantes Museum zur Geschichte der Insel besichtigen. Wir verbrachten zwei Nächste im Hotel Männikäbi.

Der Weg führte uns dann schließlich weiter nach Riga. Auf dem Weg machten wir noch Halt in Pärnu. Das war ein richtiges Seebad und hier waren auch Touristen im Überfluss, allerdings nur Einheimische, die in Pärnu ihre Sommerferien verbringen. Angetan hat es uns dort ein Jugendstilhaus, welches heute als Luxushotel die Reichen beherbergt. Allerdings ist dort die Juniorsuite noch zu 400 DM pro Nacht zu haben. Sollte ich einmal noch nach Pärnu hinkommen, dann werde ich mir sicher diesen Luxus leisten, denn das Haus ist einmalig. Am Abend erreichten wir schließlich Riga.

Riga ist die einzige Millionenstadt des Baltikums. Hier ist auch viel Verkehr und man findet viele neureiche Russen. Um der Autoflut in der Altstadt zu begegnen, wurde die gesamte Altstadt zum teuersten Parkplatz umfunktioniert. Pro Stunde Einfahrt muss man 20 DM zahlen. Unser Hotel, der Konventhof, lag in dieser Altstadt, allerdings bekamen wir an der Rezeption Einfahrtsmarken. Im ganzen Hotel sind keine zwei Zimmer gleich, es war aber auch das teuerste Hotel unserer Reise. Unser Erkundungsgang begann natürlich in der Altstadt, die man in wenigen Minuten zu Fuß durchqueren kann. Auch hier sind viele Häuser neu renoviert und so ist ein Spaziergang durch die engen Gassen ein echtes Erlebnis. In der Nacht wird die gesamte Altstadt zu einer einzigen Disco, überall spielt draußen Musik. Die meisten Leute kaufen ihre Getränke auch im Supermarkt, der hier 24 Stunden und 7 Tage die Woche offen hat, denn Discos und Restaurants sind hier weit überteuert.

Ein weiteres Erlebnis in Riga war die Besichtigung der vielen Jugendstilhäuser. Einige davon waren ganz frisch renoviert. Nachdem wir uns an den Fassaden satt gesehen haben, fuhren wir zu einer weiteren Besichtigung, dem Bruderfriedhof. Den Eindruck von der Vergangenheit Rigas machte das ehemalige Konzentrationslager Salaspils vollständig. Es liegt einige Kilometer östlich vor Riga und ist ein stilles, aber imposantes Zeugnis dessen, was hier passiert ist. Am Nachmittag fuhren wir dann in die Gegend von Jeglava, wo wir noch das Schloss Rundale besichtigten.

Am nächsten Tag war unser Baltikum Urlaub zu Ende. Wir fuhren zum Flughafen, gaben das Auto und das letzte lettische Kleingeld aus und in zwei Stunden hatte uns Deutschland wieder.

Ein Resumee über diesen Urlaub zu ziehen ist einfach: In 14 Tagen drei verschiedene Länder kennengelernt, die alle eins gemeinsam haben: Sie sind seit 1991 freie demokratische Länder, die Entwicklung schreitet in allen drei schnell voran und alle drei sind auf ihre Weise mehr als sehenswert. Ich habe mir von diesem Urlaub nicht viel erwartet, da ich hauptsächlich die UNICA Veranstaltung besuchen wollte, war aber von der Reise dann so angetan, dass ich jederzeit gerne nochmals hinfahren würde. Das Reisen ist in allen drei Ländern per Auto absolut unproblematisch, man trifft kaum Touristen und die Verständigung ist in deutsch und englisch auch sehr gut.

Jederzeit empfehlenswert!